Doch auf seinen Job lässt er nichts kommen, der Einsatz mit rotem Mantel und weißem Bart macht ihm großen Spaß. Allerdings gehen die Geschäfte in diesem Jahr schlecht: Die Wirtschaftskrise macht auch vor dem Nikolaus nicht Halt.
Der 39-jährige Thielen aus Bad Vilbel bietet Banken, aber auch Kindergärten und Familien das gesamte Bescherungsprogramm inklusive Geschenken. «Ich liebe es, in diese Rolle zu schlüpfen», sagt Thielen, der normalerweise als Mediengestalter arbeitet. Doch in dieser Weihnachtssaison ist seine Freude getrübt. «In den vergangenen Jahren hatte ich Anfang Dezember schon viele Auftritte bei Banken und Finanzdienstleistern organisiert - diesmal gibt es von dieser Seite überhaupt keinen Auftrag», berichtet er. Rund 30 Aufträge habe er normalerweise pro Saison, die Hälfte davon von Unternehmen.
Eine nicht unerhebliche finanzielle Einbuße, denn es war gerade die Finanzbranche, die früher den Job gut bezahlt hat. «Eine Auftrittsgage von 110 Euro bei einer Weihnachtsfeier war keine Seltenheit», sagt Thielen. Doch das sei erst einmal vorbei. Seit 20 Jahren schon gibt er wahlweise den Nikolaus oder den Weihnachtsmann in privaten Haushalten und Firmenfeiern. Immerhin, es gebe ja noch die privaten Kunden und soziale Einrichtungen, in denen es ohne Nikolaus eben nicht gehe. Andererseits sei das Preisniveau dort auch wesentlich niedriger. «Schließlich stehen viele soziale Einrichtungen finanziell eben auch unter Druck», sagt er.
Die Preise für solche Einrichtungen bestimme er nach Bauchgefühl, meist würden sie um die 50 Euro liegen. «Doch heute Morgen war ich bei einem Waldkindergarten, und meine Gage bestand letztendlich aus einem Kaffee und einem belegten Brötchen», berichtet Thielen. In Zeiten, in denen große Geldhäuser noch mehr Geld für Weihnachten ausgegeben hätten, sei dies kein Problem gewesen. Alles in allem habe sich der Job bisher noch immer gelohnt. Obwohl Thielen vor einigen Monaten seinen Hauptjob verloren hat - aufgrund der Wirtschaftskrise, wie er sagt - und er sich danach selbstständig gemacht hat, bleibt Thielen optimistisch. Immerhin würden die Privatkunden ihn noch buchen.
Problematisch wird es für jene, die finanziell darauf angewiesen sind, als Miet-Nikolaus Geld zu verdienen. So sind vor allem die Studenten von der Flaute betroffen. Im Studentenwerk Frankfurt gibt es derzeit 28 Anfragen für einen Nikolaus und neun für einen Weihnachtsmann, nicht sehr viel für die 20 Studenten in der Kartei. Deshalb wird per Los entschieden.
Die Vorstellung, dass dies ein attraktiver Studentenjob sei, treffe schon seit Jahren nicht mehr zu, sagt Katrin Wenzel vom Studentenwerk Frankfurt. Vielmehr verstärke die Wirtschaftskrise eine Tendenz, die sich schon seit Ende der 90er Jahre abzeichne: «Es gibt definitiv immer weniger Firmen, die große Weihnachtsfeiern mit dem Nikolaus veranstalten.» So sei die Anzahl der Anfragen aus der Wirtschaft schon während der vergangenen Jahre deutlich gesunken. Doch diesmal sei der Einbruch besonders drastisch.
Auch meldeten sich mittlerweile weniger Familien, um einen Nikolaus-Studenten zu engagieren. Zwar liege diese Zahl in diesem Jahr etwas höher als 2008, doch tendenziell gingen auch diese Anfragen zurück.
Ähnliche Erfahrungen haben auch die Mitarbeiter der Arbeitsagentur in Frankfurt gemacht. Wie Sprecherin Anna Morales sagt, hat die Nachfrage seit Ende der 90er Jahre stetig abgenommen, daher bietet die Agentur - anders als die Kollegen beispielsweise in Darmstadt - auch keine spezielle Nikolaus-Vermittlung mehr an. «Der Aufwand lohnt sich für uns einfach nicht mehr», sagt Morales, «es ist wohl etwas aus der Mode gekommen, einen Nikolaus zur Firmenfeier oder ins Wohnzimmer einzuladen.»
Frankfurt/Main (ddp-hes)
http://www.ad-hoc-news.de/rueckgang-nikolaus-leidet-unter-der-krise--/de/Regional/Hessen/20771967